In der aktuelle Debatte um die Korona-Krise ist ein Thema sehr beherrschend: Und dann? Wenn die Krise zu Ende ist, was wird sich ändern? Krisen als außergewöhnliche Zeiten rufen die Forderung nach Veränderung hervor, weil die alten Gewissheiten nicht mehr zu gelten scheinen. Der aktuell häufig zitierte Zukunftsforscher Matthias Horx glaubt, dass die Erfahrung der Corona-Krise zu Veränderung in der Weise führen wird, wie Menschen sich selbst als Individuen sehen, wie sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen gestalten. Das hat das Potential für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Das ist eine sehr aristotelische Sichtweise. In seiner Dramentheorie entwirft Aristoteles die Katharsis als Höhepunkt des Stücks, die zu einer Wandlung führt: der Figuren, der Ausgangssituation. Viele Krisentheorien bedienen sich dieses Modells. Die Geschichtsschreibung liebt Krisen, weil sie gesellschaftlichen Wandel plötzlich deutlicher und damit beschreibbare...
Ein Onlinekurs der VHS Kreuzberg