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Posts mit dem Label "Krisentheorie" werden angezeigt.

Aristoteles und die Corona-Krise

Krisen sind immer auch Erzählungen über Krisen. Keine Krise ohne den entsprechende Diskurs der Krise, der die Ereignisse deutet und ihnen ihre narrative Ausrichtung gibt. Erzählungen von Krisen konstruieren den Beginn, den Höhepunkt oder Zäsuren, sowie das Ende der Krise. Sie folgen dabei meist einer aristotelische Dramenstruktur. Grob gesagt besteht diese Struktur in einer kulminierenden Entwicklung, die dann in einem Höhepunkt gipfelt. Dieser Höhepunkt stellt eine Zäsur in der Handlung dar, die zum Ende in den Konflikt mit einer kathartischen Wendung führt. Krisenerzählungen etablieren die Krise als eine zeitlich begrenzte und verkettete Folge von Ereignissen. Eine Krise hat einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende. Der Beginn der Krise wird ganz nach Aristoteles als eine Exposition gefasst. Diese wird oft mit Begriffen wie „Alarm“, „Ausbruch“ (im Fall von Epidemien)  oder „Crash“ (im Falle von Finanz- und Wirtschaftskrisen) verdeutlicht. Das Leitmotiv der Krise wird da...

Vor der Krise-Nach der Krise. Gleich oder anders?

  In der aktuelle Debatte um die Korona-Krise ist ein Thema sehr beherrschend: Und dann? Wenn die Krise zu Ende ist, was wird sich ändern? Krisen als außergewöhnliche Zeiten rufen die Forderung nach Veränderung hervor, weil die alten Gewissheiten nicht mehr zu gelten scheinen.    Der aktuell häufig zitierte Zukunftsforscher Matthias Horx glaubt, dass die Erfahrung der Corona-Krise zu Veränderung in der Weise führen wird, wie Menschen sich selbst als Individuen sehen, wie sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen gestalten. Das hat das Potential für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel.    Das ist eine sehr aristotelische Sichtweise. In seiner Dramentheorie entwirft Aristoteles die Katharsis als Höhepunkt des Stücks, die zu einer Wandlung führt: der Figuren, der Ausgangssituation. Viele Krisentheorien bedienen sich dieses Modells. Die Geschichtsschreibung liebt Krisen, weil sie gesellschaftlichen Wandel plötzlich deutlicher und damit beschreibbare...

Was ist eine Krise?

Die Coronakrise hat uns fest im Griff. Sie beherrscht unseren Alltag und sie steht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussionen. Aber ist das was wir leben noch Alltag? Das Normale? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Viele Dinge kommen uns noch vertraut vor. Sind Routine. Wir stehen jeden morgen aufessen Frühstück. Abends gehen wir zu Bett. Tagsüber gehen wir arbeiten, entweder ins Büro oder wir setzen uns an der Schreibtisch. Der ein Schreibtisch ist, der nun einfach zu Hause steht. Aber dennoch sind viele Dinge anders. Wir können nicht ohne weiteres Freunde und Familienangehörige treffen. Menschen begegnen wir nicht mehr, wir weichen ihnen aus. Die Straßen sind ungewöhnlich leer und es ist eine seltsame Stille allerorten. Vielerorts sehen die Supermarktregale aus wie die traurigen Öden sozialistischer Marktwirtschaft. Ganze Ladenzeilen sind geschlossen. Nur Baumärkte scheinen noch offen zu sein. Was ist also eine Krise? Ist sie die Abwesenheit des Alltags, des Gewohnten? Ode...