Direkt zum Hauptbereich

Posts

Lektion 3: Geschichte und Epidemien. Teil 1: Der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert

Letzte Posts

Lektion 2: "Krisen erzählen" ist online

Lektion 1: "Was ist eine Krise?" ist online

Der Kalte Krieg um die Krise— Wer bewältigt Krisen besser?

Viele Kommentatoren stilisieren den Umgang mit der Corona-Krise zum Wettbewerb zwischen Demokratien und Autokratien, zwischen Populisten und Main-Stream Politikern. Nicht erst seit der Corona-Krise ist die Frage der Krisenbewältigung ein heiß umkämpftes Feld in den Debatten zwischen demokratisch verfassten Regimes und Autokratien wie die Chinas oder Russlands. In Krisen zeige sich, welche Regierungsform die bessere ist. Dabei ist, je nach Perspektive, die andere Seite immer im Hintertreffen. Für viele westliche Kommentatoren ist der Aufstieg Chinas in den letzten Jahren zwar spektakulär, aber das Reich der Mitte ist stets nur eine Krise weit entfernt vom Untergang. Seien es die Schattenkredite der chinesischen Wirtschaft, die grassierende Korruption oder die Proteste in Hong Kong. Chinesische Kommentatoren verweisen gerne auf die Überlegenheit eines von oben durchregierten Systems, dass auf Krisen wie etwa die Finanzkrise von 2008 weitaus effizienter reagiert habe als die Europäisc...

Aristoteles und die Corona-Krise

Krisen sind immer auch Erzählungen über Krisen. Keine Krise ohne den entsprechende Diskurs der Krise, der die Ereignisse deutet und ihnen ihre narrative Ausrichtung gibt. Erzählungen von Krisen konstruieren den Beginn, den Höhepunkt oder Zäsuren, sowie das Ende der Krise. Sie folgen dabei meist einer aristotelische Dramenstruktur. Grob gesagt besteht diese Struktur in einer kulminierenden Entwicklung, die dann in einem Höhepunkt gipfelt. Dieser Höhepunkt stellt eine Zäsur in der Handlung dar, die zum Ende in den Konflikt mit einer kathartischen Wendung führt. Krisenerzählungen etablieren die Krise als eine zeitlich begrenzte und verkettete Folge von Ereignissen. Eine Krise hat einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende. Der Beginn der Krise wird ganz nach Aristoteles als eine Exposition gefasst. Diese wird oft mit Begriffen wie „Alarm“, „Ausbruch“ (im Fall von Epidemien)  oder „Crash“ (im Falle von Finanz- und Wirtschaftskrisen) verdeutlicht. Das Leitmotiv der Krise wird da...

Zahlen der Krise

In modernen Gesellschaften sind Medien ein entscheidender Faktor in der Produktion und Definition von Krisen. Medien liefern sowohl die Informationen als auch die Deutungen über Ereignisse. Sie erstellen ein Narrartiv der Krise. Ob wir uns tatsächlich in einer Krise uns befinden oder nicht: Für Medien ist das Narrativ der Krise ein verführerischer und oft gebrauchter Begriff. In den letzten Jahren gab es eine Vielzahl von Krisen: Die Flüchtlingskrise, die Eurokrise, die Lehrerkrise, die Wohnungskrise, die Ukrainekrise, die Syrienkrise, die Klimakrise und so weiter… Hier wurden Krisen vor allem als Funktionsstörungen im System beschrieben:   In der Flüchtlingskrise gab es zu viele Flüchtlinge, in der Lehrerkrise zu wenige Lehrer. Die Eurokrise beschrieb die langfristigen Folgen des Finanzcrash von 2008 für die europäische Währung. Der Euro verlor immer mehr an Wert. Als Wohnungskrise wurde die rasante Verteuerung von Wohnraum vor allem in den Ballungsgebieten bezeichnet. Eurokri...

Krise vs. Alltag

Langsam werden in Berlin die Straßen wieder voller. In den Supermärkten werden die Abstände zwischen den Leuten an der Kasse kürzer. Der wahre Kampf findet heute zwischen Alltag und Krise statt. Der Alltag mit seinen Gewohnheiten und Routinen ist eine schleichende und mächtige Kraft. Wer jemals mit dem Rauchen aufhören wollte, weiß dies nur zu gut. In der Corona-Krise ist die Abkehr vom Gewohnten zur mächtigsten Waffe gegen das Virus erklärt worden. Wir sollen unser Verhalten ändern, um so das Virus zu besiegen. Die Abkehr vom Alltag ist das Medikament. Doch wie lange können Menschen ihren Alltag nicht leben? Wie lange wollen sie ihren Alltag der Rationalität der Krisenbekämpfer opfern? Vor allem wenn die Bedrohung so wenig sichtbar ist und das Leben nur wenig verändert ist. Keine Toten auf den Straßen, keine zerstörten Städte, sondern nur eine unsichtbare Gefahr. Krisen sind Ausnahmensituationen, aber wie jede Situation, müssen auch Krisen erlebt und erfahren werden. Die Deu...